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Kunst und Schwerelosigkeit

Da der Mensch nun schon seit über 40 Jahren in den Weltraum fliegt und sich mit der Schwerelosigkeit vertraut gemacht hat, ist es kein Wunder, daß auch die Kunst dieses Thema aufgreift. Verständlicherweise kann diese Beschreibung nicht vollständig sein. Ich versuche jedoch hier einen Überblick bzw. Beispiele zu geben, wo und in welcher Form die Kunst sich mit dem Thema Schwerelosigkeit befaßt. Die Einteilung in Kategorien ist etwas willkürlich, da sich manches überschneidet.

Abbildende Kunst

Ein bekannter deutscher Künstler ist Charles Wilp. Er wurde zunächst durch seine Aktivitäten in der Werbebranche bekannt und etablierte sich später als Weltraumkünstler. Ihm war es vergönnt, auf Parabelflügen in Schwerelosigkeit zu arbeiten, aus denen er dann auch die Inspiration zur Schaffung seiner Werke holte. Ein Teil seiner Werke flog mit deutschen Missionen tatsächlich ins All. Vornehmlich schuf er Collagen, in denen er Raumfahrtmaterialien, Teile von Satelliten oder Raketen, Dokumentenschnipsel, Raumfahrerautogramme usw. verwendete. Laut seiner Aussage ist "die Schwerelosigkeit die Triebfeder alles Kreativen". Allerdings hatte er im Gegenzug nichts übrig für althergebrachte, irdische Kunst. Eine Zusammenfassung seiner Denkweise kann man in einem Interview mit ihm aus dem Jahr 1999 hier nachlesen.

Einige Künstler haben tatsächlich in Schwerelosigkeit gemalt, so z.B. Frank P. Pietronigro im Rahmen eines Forschungsprojektes bei einem NASA-Parabelflug.

Weitaus häufiger ist jedoch die Darstellung der Schwerelosigkeit im Kunstobjekt selbst, und nicht deren Herstellung im schwerelosen Zustand.

Sehr schöne Beispiele zum Thema Weltraum hat vor einiger Zeit der Künstlerkreis Haar bei München geliefert, nun sind einige der Kunstwerke auch online zu bestaunen: www.mars-art.org


Skulptur

Eine der bekanntesten Space Art Skulpturen und zudem eines der wenigen im All geflogenen Kunstobjekte ist der Cosmic Dancer (englisch). Er wurde geschaffen von Arthur Woods und flog 1993 zur MIR Station, wo er - zur Freude der Kosmonauten - bis zum Absturz der MIR verblieb.

Künstlerische Installationen gab es auch auf Parabelflügen. So flogen z.B. auf der 10. DLR-Parabelflugkampagne zwei Kunstprojekte mit, das eine eine Installation mit Murmeln, genannt Zero-G Sculptures (englisch), das andere hieß Wolken-Kern-Scanner (englisch).

The Arts Catalyst (englisch) hat ebenfalls Installationen auf Parabelflügen initiiert, vornehmlich bei eigenen Kampagnen in Rußland.


Literatur

Einer der ersten, die das Thema Schwerelosigkeit aufgriffen war wahrscheinlich Jules Verne in seinem Roman "Reise um den Mond", in welchem er das Auftreten von Schwerelosigkeit und deren Wirkung auf die Insassen seines Raumschiffs beschreibt. Schon Jules Verne ließ in seinem Roman durchblicken, dass er sich die Schwerelosigkeit als einen erheiternden Zustand vorstellt und ließ seine Protagonisten ihr Erlebnis genießen.

Jedoch war die Schwerelosigkeit in vielen Science-Fiction Geschichten und Romanen auch nur nettes Beiwerk, da es gerade in die Geschichte passte. Diesen Eindruck kann man z.B. bei Perry Rhodan gewinnen. Sehr wenige Geschichten machen das freie Schweben im Raum zu ihrem Hauptthema.

Besonders hervorstechend sind in meinen Augen hierbei die Novellen "Stardance", "Starseed" und "Starmind" von Jeanne und Spider Robinson, welche die Verknüpfung von Tanz und Schwerelosigkeit und die Sehnsucht des Menschen nach freier Bewegung thematisieren (Buchbeschreibung hier (englisch)).

Ein weiteres Buch, dieses Mal ein Krimi, der die Schwerelosigkeit zu einem zentralen Thema macht, ist "Solarstation" von Andreas Eschbach. Dieser Krimi spielt auf einer Station im All, die Sonnenenergie einfängt und zur Erde schickt, um den dortigen Energiebedarf zu decken.

Viele weitere Beispiele bieten neue und alte Science-Fiction Kurzgeschichten.


Musik

Nach Charles Wilp war Musik schon immer "die schwereloseste Kunst"...

Seit Stanley Kubricks Film "2001" wird der Walzer mit dem Gefühl der Schwerelosigkeit in Verbindung gebracht. Es gibt jedoch auch Künstler, die die Schwerelosigkeit als Inspiration für ihre Musik genutzt haben. Manchmal habe ich gar das Gefühl, sie versuchten das Gefühl der Schwerelosigkeit in ihrer Musik so darzustellen, daß ein Zuhörer oder zu dieser Musik Tanzender diese ebenfalls fühlen kann. Künstler und Aufnahmen dieser Sorte gibt es gar zu viele als daß ich hier Namen herausgreifen möchte, ich denke jedoch, bei Techno/Trance, New Age, Meditationsmusik und noch einigen anderen Genres dürfte jeder fündig werden, der sich auf die Suche begibt...

Der kanadische Astronaut Chris Hadfield machte in 2013 mit einer umgetexteten Version von "Space Oddity" von David Bowie, , gedreht auf der ISS, auf sich aufmerksam gemacht:


Nun gibt es das erste Musikvideo einer professionellen Band, das komplett in Schwerelosigkeit gedreht wurde. "Upside down and inside out" von OK GO:


Ich kann nur sagen, sehr beeindruckend! Und hier noch ein Beitrag, wie es gemacht wurde.







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Nicht zuletzt liegt es an jedem selbst, ob er für sich Musik finden kann, die ihm zumindest eine Vorstellung des Schwebens im Raum vermitteln kann. Verwundern würde es mich nicht, wenn Menschen nicht schon durch die Jahrhunderte oder gar -tausende hindurch mit Hilfe von Musik und Trancetechniken sich in ein Gefühl des Schwebens hineinversetzen konnten, und dadurch die Sehnsucht, dies real zu erleben, entstanden ist. Eine Möglichkeit, die jetzt, in diesem Jahrtausend, für jedermann (und natürlich auch -frau) in greifbare Nähe gerückt ist.


Tanz

Kitsou Dubois (englisch) ist eine der ersten Tänzerinnen, die in Schwerelosigkeit gearbeitet haben. Sie erforschte die menschliche Bewegung in Schwerelosigkeit aus ihrer Sicht als Tänzerin und leitete hieraus Vorschläge fürs Astronautentraining ab. Eine schöne Zusammenfassung ihrer Arbeit mit vielen Videos gibt es seit kurzem hier, es ist sehr sehenswert, obwohl es die Hintergrundinfos leider nur auf Französisch gibt.

Rein zum Zweck der künstlerischen Darstellung ist jedoch Jeanne Robinson eine der Vorreiterinnen der tänzerischen Bewegung in Schwerelosigkeit. Sie beschäftigte sich schon in den frühen 80er Jahren mit einer Verbindung von Tanz und Weltraum und kreierte das Stück "Higher Ground", welches am Ende eine Tanzsequenz beinhaltete, das Schwerelosigkeit simulierte. Sie sollte eigentlich die erste Tänzerin sein, die im Rahmen des NASA "Civilian in Space" Programmes mit einem Space Shuttle ins All fliegen sollte, um dort in Schwerelosigkeit zu tanzen. Dies fiel aber nach dem Challenger-Unglück ins Wasser. 2007 erhielt sie allerdings die Gelegenheit, gesponsert von Dr. Peter Diamandis und der Zero-G Corporation, an einem Parabelflug teilzunehmen. Da sie nicht mehr selber tanzte, nahm sie eine ihrer Tänzerinnen mit, sie selbst fungierte als Choreografin. Der folgende Clip wurde auf diesem Flug aufgenommen:

Eine weitere Tänzerin in der Schwerelosigkeit ist Morag Wightman (englisch), die im Rahmen von "The Arts Catalyst" eine Tanzperformance in Schwerelosigkeit zeigte.


Bühnenkunst / Theater / Performance Art

Auf der Bühne wurde schon von verschiedensten Künstlern versucht, die Illusion der Schwerelosigkeit zu erzeugen. Sei es das "Schwebenlassen" von Menschen bei Zaubervorführungen, das Schweben der Artisten am fliegenden Trapez oder "Schwerelosigkeit" mittels Hilfsvorrichtungen, um dreidimensional zu tanzen bzw. Schwebeelemente in ein Stück hineinzubringen.

1999 jedoch brachte Dragan Zivadinov (englisch) und sein Kosmokinetisches Kabinett Noordung - benannt nach Herman Potocnik Noordung (1892 - 1929), dem Autor des Buchs "Die Probleme der Weltraumfahrt" - das Theater endgültig auch in die reale Schwerelosigkeit. Er absolvierte dazu mit 6 Schauspielern 8 Zuschauern einen Parabelflug in einem Ilyushin IL76MDK Trainingsflugzeug des russischen Kosmonautenzentrums. Sein Theater ist abstrakt, sein Gedanke dahinter ist, es von der üblichen Bühne zu lösen und die Grenze zum Publikum verschwimmen zu lassen. Aus diesem Grund ließ er auch gegen Ende des Fluges die Zuschauer sich von ihren Sitzen abschnallen, um zusammen mit den Schauspielern im Bühnenraum zu schweben.

Ein schönes Beispiel von Performance Kunst in Schwerelosigkeit ist das Stück Zero Genie (englisch) von Ansuman Biswas.


Film

Wie in der Literatur auch, so dient im Film die Schwerelosigkeit oft nur als Beiwerk, entweder um zu verdeutlichen, daß die Helden der Geschichte im All sind, oder um, wie bei Star Trek, eine Handlung zu dramatisieren bzw. zu verdeutlichen, daß etwas falsch läuft. Denn meist herrscht auf Raumschiffen in Science-Fiction-Filmen ganz normale Schwerkraft (vermutlich um die Dreharbeiten nicht so kompliziert zu machen oder weil man früher dachte, ein Mensch könne nicht längere Zeit in Schwerelosigkeit leben).

Hiervon hebt sich das neueste Projekt von Jeanne Robinson ab: Eine Verfilmung der Stardance Trilogie (siehe unter "Literatur" und "Tanz"), nähere Infos finden sich hier (englisch). Dies ist vermutlich der erste Film, der die Schwerelosigkeit als zentrales Thema aufgreift, wenn auch als Romanverfilmung. Leider ist Jeanne Robinson 2010 verstorben und seither kommt das Projekt nur schwer voran.

Weitere Ansätze hierfür gibt es allerdings auch in diversen Videoclips. Beispiele finden sich hier (englisch).

Der japanische Astronaut Koichi Wakata hat auch ein phantastisches Kunstwerk auf der Internationalen Raumstation geschaffen. Er hat einen mit LED Leuchten ausgestatteten Kreisel in der Schwerelosigkeit gefilmt (Bild anklicken, um zum Artikel auf www.space.com zu kommen (englisch):



Immer häufiger werden im Übrigen Parabelflüge verwendet, um allgemein Schwerelosigkeitsszenen in Filmen zu drehen. Diese Vorgehensweise hat sich als deutlich einfacher gegenüber den früheren Simulationen mittels Aufhängevorrichtungen erwiesen.