Das MIRIAM-2 Team nahm vom 28.11. - 6.12.2017 an der 68. ESA-Parabelflugkampagne in Bordeaux teil. Der Flug selber, bei dem der Ausbringtest des Ballonsystems nach dem Mißerfolg des Versuchs in 2015 noch einmal wiederholt wurde, fand am 5.12.2017 statt.
Schneetreiben bei der Anreise - welch eine Überraschung!
Morgendliche Begegnung mit dem A310 Zero-G
Vorbereitungswoche
Wir sind am 29.11. abends in Bordeaux angekommen und haben am Tag darauf nach einem sehr zügigen Checkout des Experiments dieses gleich ins Flugzeug laden können, nachdem es einen kurzen Schreckmoment wegen einer höheren Gesamtmasse des Aufbaus als angegeben gab, was von seiten Novespace aber nach kurzer Abklärung mit den Sicherheitsanforderungen akzeptiert werden konnte. Andere Experimente waren unterdessen noch mit dem Zusammenbau beschäftigt.
Beim Einladen
Anbringen des Stoßschutzes
Es hat schon seine Vorteile, wenn man alle Abläufe und Gegebenheiten schon kennt und das Experiment auch schon bekannt ist.
Der Aufbau des Studententeams VESTAND
Für das obige Experiment flog ich am Tag nach meinem Flug mit dem MIRIAM-2 Versuch noch einmal mit, dieses Mal (und das erste Mal überhaupt) als Versuchsperson. Es wurde dabei untersucht, wie das Gleichgewichtssystem auf eine elektrische Stimulation reagiert, einmal in einem Wahrnehmungsexperiment und dann in der anderen Hälfte des Fluges in einem Balancier-Experiment.
Freitags-Update: Wir haben den Safety Review bestanden und unser Experiment ist freigegeben für den Flug! Wir haben auch unsere Fluganzüge schon bekommen (dieses Mal von der ESA).
Unser Flugteam (Tanja, links und Klaus, rechts) und Backup Nicolay Kübler (Mitte)
Den Parabelflug-Track kann man auf Flightradar 24 live verfolgen
Hier unsere Timeline für Dienstag
Unser Team, v.l.n.r. Klaus Bayler, Tanja Lehmann, Nicolay Kübler
Abendstimmung am Zero-G
Viel los im Flieger
Aber wir sind bis auf ein paar Kleinigkeiten fertig
Das Testrig trägt jetzt die Logos unserer Unterstützer
Beim Ausprobieren des Brainfly-Experiments
Ich hatte außerdem noch die Gelegenheit, ein anderes Experiment auszuprobieren: Bei der "Fly your Thesis" Studentengruppe Brainfly steuern die Testpersonen während dem Parabelflug ein einfaches Computerspiel mit ihren Gedanken, und zwar durch Vorstellung von Handbewegungen, was durch eine Software anhand der Gehirnströme des Probanden ausgelesen und gedeutet wird. Hat bei mir und Nicolay aber nicht besonders gut funktioniert, kein Wunder, daß die Versuchspersonen dafür 3 Monate trainieren mußten, damit es im Parabelflug wirklich klappt.
Flugwoche
Das Typenschild des Flugzeugs war mit Thomas Pesquet auf der ISS (Bild und Typenschild hängen jetzt permanent in der Free Float Area)
Vorstellung des Flugmanövers im Briefing
Am Morgen vor dem Flug
Wir haben alles gecheckt und sind bereit! Um 9:00 Uhr schließen die Flugzeugtüren und dann gehts los!
Update Flugtag: Das Ausbringen des Ballons war erfolgreich!
Auf dem ersten Flug der 68. Parabelflugkampagne der ESA am 5.12.2017 wurde der Qualifikationstest des MIRIAM-2 Ausbringmechanismus an Bord des Airbus A310 ZERO-G durchgeführt. Während der 27. Parabel der insgesamt 31 Parabeln wurden die redundanten Pyrocutter gezündet und der Ballonbehälter wurde mit Federkraft ausgestoßen. Anschließend klappten wie vorgesehen die Behälterwände (von uns Blütenblätter genannt) nach außen und gaben das Ballonpaket frei, und der Pod mit angebrachtem Ballonmaterial entfernten sich weiter vom Testrig. Das Ballonpaket wurde vorentfaltet und wäre für das Aufblasen bereit gewesen, was aber nicht mehr Teil des Qualifikationstests war.
Alle vier GoPro-Kameras nahmen einwandfrei Videos auf und auch der Controller konnte alle Sensordaten erfolgreich erfassen.
Auch dieser Versuch ist, zusammen mit dem vorhergehenden, im Erasmus Experiment Archiv der ESA (englisch) zu finden.
Bei Youtube kann man den kompletten Test anschauen:
Es gibt außerdem ein Video von Sue Nelson von ESA-TV, in dem unser Experiment vorgestellt wird, dieses kann man hier ansehen:
Zwei weitere Videos von Tom Scott (3. Flug, bei dem wir nicht mehr dabei waren, aber trotzdem interessant):
Insbesondere beeindruckend ist an diesem Video, daß für die Stabilisierung der Kamera auf den Horizont die tatsächlichen Telemetriedaten des Flugzeugs benutzt wurden.
Das Sicherheits-Briefing haben wir hinter uns, jetzt steht dem Flug nix mehr im Weg!
Abendlicher Empfang nach dem Sicherheits-Briefing
Letzte Vorbereitungen im Flieger
Nach dem Ausbringen
Da wir aufgrund der Natur unseres Experiment, das nur ein einziges Mal durchgeführt werden konnte, auf unserem Flug viel Zeit hatten, gönnten wir uns natürlich auch ein wenig Spaß:
Außerdem bin ich am 6. Dezember nochmal geflogen, als Testperson für das Team der "Fly your Thesis!" 2017 Studentengruppe VESTAND. Hier wurde der Einfluß der Schwerkraft auf die Wahrnehmung eigener Bewegung und auf Balancereaktionen im Stehen, ausgelöst durch elektrische Stimulation des Gleichgewichtssinns, erforscht. Getestet wurde hierzu die Wahrnehmung einer Eigenbewegung sowohl unter 1g, 2g und 0g, im zweiten Teil dann die Reaktionen der Wadenmuskulatur im Stehen, unbelastet bei 1g und 2g, und dann bei 1g und 0g mit zusätzlicher Belastung durch Federn mit einer Last entsprechend dem eigenen Körpergewicht, um bei 0g eine 1g Belastung zu simulieren.
Es war insgesamt ein sehr interessanter Versuch und ich hätte nicht gedacht, daß es so viel Spaß macht, dabei mitzumachen. Insbesondere der Wahrnehmungsversuch war total entspannend, in 0g einfach nur daliegen bzw. zu schweben und nachspüren können, wie sich alles anfühlt. Und auch mit der zusätzlichen Stimulation, was eine weitere Bewegungswahrnehmung hinzufügt, war es als ob einen jemand in Schwerelosigkeit bewegt, nur daß man keine weitere Berührung spürt.
Außerdem natürlich, 7 Parabeln zum rumhängen im unbelasteten Stehversuch, weil da bei 0g nicht getestet werden konnte!
Ursprünglich hatte ich damit gerechnet, von der Schwerelosigkeit nix mehr zu merken, wenn dem Körper eine weitere Bewegungswahrnehmung vorgegaukelt wird, dem ist aber nicht so. Denn die Schwerelosigkeit ist etwas, was nicht nur von außen kommt, sondern etwas, das auch im Körper spürbar ist und ein Teil von einem selber wird.
Nicht zu vergessen nach dem Flug die Flashbacks, die ich dann immer habe. Dieses Mal war bzw. ist es mir sogar besonders gut möglich, diese Schwebegefühle absichtlich wieder zurückzurufen. Was wirklich sehr schön ist, ich nenne das jetzt "das Lächeln der Schwerelosigkeit" ;-). Nur leider konnte mir bisher keiner erklären, warum dies möglich ist.
Zusätzlich gab es einen weiteren Aufruf der Studentengruppe BrainFly, in dem es über Träume im Zusammenhang mit Parabelflügen geht und bei dem ich ebenfalls mitgemacht habe. Hier war allerdings nur ein Fragebogen auszufüllen.